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Geschlossene Fonds mit versteckten Gebühren
Bis zu 16 Prozent Weichkosten bei Beteiligungsmodellen / Aufstellungen oft undurchsichtig
 
hbe. FRANKFURT, 26. März. Ein geschlossener Fonds ist nicht immer so preiswert, wie es auf den ersten Blick scheint. Zwischen 8 und 16 Prozent des Fondsvolumen entfallen je nach Fondsgattung auf die sogenannten Weichkosten, wie eine Auswertung des Finanzdienstleisters Scope zeigt. So haben Medienfonds durchschnittliche Weichkosten in Höhe von 16 Prozent des Fondsvolumens (inklusive des Agios), bei Schiffsfonds sind es 10,8 Prozent und bei Energiefonds 7,3 Prozent. Interessant ist, daß Fonds, die auf inländische Immobilien setzen, mit 10,8 Prozent eine deutlich höhere Weichkostenquote haben als Auslandsimmobilienfonds (8,7 Prozent).

Bei den Weichkosten handelt es sich um die Nebenkosten eines Anlageobjekts wie etwa Gebühren, Vertriebskosten, Agio oder Prospektkosten. All diese Beträge fließen also nicht in die Investitionsobjekte der jeweiligen Fonds und schmälern damit den Ertrag der Beteiligung. "Weichkosten sollten nicht mehr als 15 Prozent des Fondsvolumens ausmachen", sagt Martin Witt von Scope. An erster Stelle in dieser Gebührengruppe steht das Agio, mit dem der Vertrieb bezahlt wird. Es beläuft sich zumeist auf rund 5 Prozent. Dann folgen Kosten für Rechtsanwälte, Steuerberatung, Treuhänder, die Fondsverwaltung sowie für Plazierungs- und Höchstkostengarantien.

Das Problem für Anleger besteht darin, daß sich die Weichkosten oft hinter eher kryptischen Formulierungen wie beispielsweise "Werbekostenzuschuß" verbergen. "Anleger sind oft mit den Kostenaufstellungen überfordert, die manchmal auch bewußt undurchsichtig gestaltet werden", sagt Witt. Hinzu kommt, daß manche Anbieter sich von manchen Positionen nochmals eine Scheibe abschneiden. Da werden von einer Gesellschaft, die zum Fondsinitiator gehört, Leistungen bezogen und abgerechnet - die Erträge aus dieser Gesellschaft fließen dann dem Fondsinitiator zu, ohne daß der Anleger dies mitbekommt. Oder aber der Fondsinitiator profitiert von sogenannten "Kickbacks": Derjenige, der einen Auftrag - ein Schiff, eine Immobilie - vermittelt, erhält eine Provision vom Anbieter. Der Fonds bekommt also das Investitionsobjekt sozusagen mit einem Rabatt und streicht diesen ein, anstatt ihn an die Anleger weiterzugeben.

"Wenn man einen Überblick über die Weichkosten hat, dann muß man sich fragen, ob sie für die Leistung des Fondsinitiators angemessen sind", sagt Peter Kastell vom Analysehaus Fondsmedia. Man müsse also die Höhe der Weichkosten immer in Relation zu den Leistungen sehen, die eine Gesellschaft erbringe - das rechtfertige auch unterschiedliche Weichkostenquoten zwischen einzelnen Fondskonzepten. Zusätzlich solle ein Anleger darauf achten, ob die Weichkosten in der Höhe fixiert sein oder auch nach oben ausbrechen könnten - für unseriöse Fondsinitiatoren eine Einladung zur Selbstbedienung. Weiterhin gelte als Faustregel: Je unseriöser ein Anbieter, um so höher seien die versteckten Weichkosten.

In der Tat sind die Weichkosten je nach Fondskonzept sehr unterschiedlich. Laut den Daten von Scope haben Medienfonds mit durchschnittlich 14 Prozent die höchste Weichkostenquote. Spötter sprechen in diesem Zusammenhang vom sogenannten "Hollywood- Accounting", der Hollywood-Buchhaltung. Bei Schiffsfonds sind die Weichkosten laut Witt in den vergangenen Jahren gesunken. Zudem sind die Käufer von Schiffsfonds mittlerweile auch Opfer des sogenannten Weichkostenerlasses: Die Weichkosten können zukünftig nicht mehr wie bisher bereits im ersten Jahr voll abgeschrieben werden, sondern müssen über die gesamte Laufzeit verteilt werden.

 





"Ein Fonds mit hohen Weichkosten hat es schwer, eine angemessene Rendite auf das eingesetzte Kapital zu erzielen - das bedeutet aber nicht, daß Fonds mit geringen Weichkosten automatisch gut sind", sagt Witt. Immerhin sieht er Anlaß zu Optimismus: "In den vergangenen Jahren sind wegen des härter gewordenen Wettbewerbs die Weichkosten deutlich gesunken, auch die Transparenz der Prospekte hat sich verbessert, ebenso wie die Qualität vieler Produkte."
 
Quelle: Finanzmarkt Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2004, Nr. 74, S. 19

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